Hundevermittlung 2019

 

Sammy

 

Wenn sich Menschen entscheiden, ein Pflegekind aufzunehmen, müssen sie vorher über Kurse u.ä. eine Qualifikation erlangen. Sie werden geschult, mit typischen, aber auch besonders verzwackten Situationen klar zu kommen und es wird im Vorfeld geschaut, ob sie mental zur Führung eines Kindes befähigt sind.
Ich finde, genau diese Kriterien sollten etwas modifiziert auch bei der Übernahme von erwachsenen Auslandshunden angewandt werden.

 

Das obige Bild zeigt die Unterbringung eingefangener Hunde in einem rumänischen Tierheim.

Einige Vereine in Deutschland und der Schweiz helfen diesen Einrichtungen und holen Hunde in ein neues, für sie völlig anderes Leben in die genannten Länder.
Wenn Sie sich aber vorstellen, was die Hunde bis zum Zeitpunkt ihrer Abreise alles erlebt, bzw. durchlebt haben, so sprengt das häufig die Vorstellungskraft der neuen  Halter.

Die Hunde fristen in diesen Tierheimen ein Leben unter unwürdigsten Umständen. Sie wurden oft auf der Straße eingefangen, einige von ihnen lebten frei auf Höfen von ehemaligen Besitzern. Kaum einer dieser Hunde hat jemals ein Haus im Innenbereich betreten. Werden die Tierheime nicht durch ausländische Vereine unterstützt, leben die Hunde bis an ihr Ende zu Hauf hinter Gittern. Einige Tierheime töten bei Überfüllung auf nicht humane Art die Tiere.
Sehr häufig kommt es wegen des Platzmangels und weil die Tiere nicht kastriert sind, zu entsetzlichen Kämpfen. Wer infolge der dann schweren Verletzungen nicht stirbt, wird u.U. gemobbt. Nur die Stärksten haben die Chance, an Futter zu gelangen.

Ältere Tiere und Welpen leiden besonders unter der Enge, der Hitze und Kälte je nach Jahreszeit. Es gibt keine Rückzugsmöglichkeiten, was zu einem dauerhaft extrem hohen Stresslevel führt.

Haben dann einige wenige Hunde das Glück, auf den Transport nach Deutschland oder in die Schweiz zu gelangen, ist dieser Vorgang ebenfalls keine Erholungsreise.

In den Gastländern angekommen, werden die Hunde entweder in sogenannte Pflegestellen oder auch in vorher informierte Tierheime oder Pensionen gegeben.

Und mit wenig Phantasie kann man sich auch an diesen Orten den Stress vorstellen, unter dem die Hunde stehen.

Sind die neuen Pflegestellen zum Beispiel nicht auf einen unsauberen oder auch extrem futtergierigen Hund eingestellt, kann es sein, dass ihnen nach kurzer Zeit der Geduldsfaden reißt und sie die Vereine um sofortige Rücknahme des Hundes bitten. Es kann natürlich auch sein, dass ein Hund sich durch evtl. schnell herumtobende Kinder in der Wohnung bedroht fühlt und nach ihnen schnappt oder oder oder…….

Der Möglichkeiten gibt es unendlich viele und ich habe in den Jahrzehnten der Vermittlungsarbeit unvorstellbar viele Hilferufe gelesen und gehört: “Wer hat Platz, einer unserer Auslandshunde muss sofort umplatziert werden….????!“

 

 

Sie fragen sich, was dieser „Roman“ auf einer Hundevermittlungsseite zu suchen hat?

 

Das ist schnell erklärt: ich möchte Sie auf einen bezaubernden Hund vorbereiten, der optisch sehr ansprechend ist und fast immer völlig unkompliziert ist – bis auf einige wenige Male. Dann schnappt er plötzlich nach ihm fremden Menschen, die sich seiner Hundeführerin und damit seiner Leine nähern.
Es ist nicht bekannt, was der Auslöser ist.
Ich kann es mir nur so erklären, dass er (an der Leine befindlich) vielleicht zu Tierheim-Zeiten unwirsch weggerissen wurde. Oder er in einer Art Déjà-vu (einer Erinnerungs-Täuschung) glaubt, diese nun sich ihm nähernde Person von früher zu kennen. Eventuell ist es aber auch ein territoriales Verteidigungsverhalten der Auslöser.

Dieser fünfjährige, kastrierte, gepflegte Rüde ist ein schönes Tier und ich hoffe inständig, dass es Menschen gibt, die diesen Text lesen und (mit viel Hintergrund-Hundewissen) sich in SAMMY vergucken.

Meiner Meinung nach braucht der Rüde ein Umfeld mit wenigen Außenreizen, möglichst einer festen Bezugs-Person, die einen sehr gleichförmigen Tagesablauf lebt. Wenn Sammy dort Einzelhund wäre und es keine Katzen gäbe, wäre meiner Meinung nach sein Umfeld perfekt!

 

Sammy kam als ca. eineinhalb Jahre junger Rüde aus Rumänien in eine Schweizer Pflegefamilie mit Kindern. Der extrem gestresste Hund fand dort keine Ruhe und musste sehr bald diesen Ort wieder verlassen. Er wurde in ein Tierheim gebracht und ohne jemals stressfrei in großer Ruhe gelebt zu haben, von einem Mann adoptiert. In dessen Garten gelang ihm über einen kleinen Zaun die Flucht. Eine Frau, die sich ihm als eine von vielen „Fängern“ in den Weg stellte und nach ihm greifen wollte, wurde gebissen.

Sammy kam zu einem deutschen Hundetrainer, der ihm einige Regeln im menschlich-hündischen Miteinander beibrachte und ihn nach einer gewissen Zeit als guten, vermittelbaren Hund entließ. Und seit diesem Zeitpunkt lebt der inzwischen fünfjährige Sammy in einer Hundepension.

Er hat sich gut in den dortigen Alltag eingefunden, die 13jährige Tochter der Betreiberin kann Sammy ohne Probleme spazieren führen, er geht auch im Pulk mit anderen Hunden problemlos die langen Spazier-Runden. Es ist aber auch klar zu erkennen, dass er sich alleine – ohne Hundebegleitung im Außen- und Innenbereich der Pension – deutlich wohler fühlt.

 

 

Ich würde mich so sehr für diesen Hund, der eine Art Hundehölle  hinter sich gelassen hat, freuen, wenn erfahrene Hundemenschen kämen, keine große Erwartungshaltung hätten und diesem Rüden nach und nach zeigen würden, dass er bei ihnen im sicher umzäunten Grundstück ein glückliches Leben führen darf.

Menschen, die feinfühlig erkennen würden, dass bei Besuchern in Sammys Revier es sinnvoll wäre, ihn hinter einem Kindergitter oder in einem anderen Raum unterzubringen. Menschen, die ihn feinfühlig an einen bequemen Maulkorb (innen mit Leberwurst eingerieben) gewöhnen würden, um ihm in kritischen Situationen die Möglichkeit zu geben, beim Rudel bleiben zu dürfen und um ihm dann zu zeigen, dass sie, sein Rudel, die Verantwortung für ihn und das Umfeld übernehmen können. Damit dieser unsichere, zeitlebens nicht zur Ruhe gekommene, schöne Rüde sich wohlig durchatmend an die Couch seines lebenslangen Zuhauses drücken kann… 

Wenn Sie sich angesprochen fühlen und über die genannten Kriterien verfügen, wäre es wunderbar, wenn Sie mir unter info@hundshuus.de eine aussagekräftige mail schreiben würden.

 

 

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